Da ich in einem der nächsten Blogs meinen “Grunddiskurs Religion ” beginnen werde, wollte ich zuvor eine andere Stimme hören lassen. “cydonia” ist ein hartnäckiger atheistischer Kommentator, der über manche Strecken meine Art zu denken wiederspiegelt, nur eben auf der anderen Seite. Ich habe ihn deshalb gebeten, mir zum einen Beitrag zu schreiben. Diesen hier. Vielen Dank auch!

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Wenn ich in einer Geschichte des Mittelalters blättere, merke ich wieder einmal, wie sehr allgemeine Klischees über eine bestimmte Epoche auch mich gefangen nehmen, der es eigentlich besser wissen müsste. Die allgemeine Vorstellung dieser Zeit kreist vor allem um Begriffe wie Hunger, Seuchen, Unwissenheit, Unterdrückung und insbesondere Stagnation des Geisteslebens. An diesem Stillstand war  natürlich vor allem die Kirche zu schuld, die jeden auf den Scheiterhaufen brachte, der daran zweifelte, dass die Erde flach, der Papst unfehlbar und häufiges Baden sündhaft ist.

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Immer wieder flackert in der öffentlichen Diskussion der Streit darüber auf, ob die Grundwerte unserer Gesellschaft ohne das Christentum überlebensfähig sind, so etwa nach dem Motto “Wer an nichts glaubt, wird irgend wann einmal eine Bank überfallen, weil dann sowieso alles egal ist.” Dazu habe ich ein hübsches Zitat eines Augenzeugen gefunden, der bei einer Rede Napoleons dabei war. Gehalten wurde sie nach der Eroberung Berlins durch die französischen Truppen, Addressaten waren die Geistlichen dieser Stadt:

Der Kaiser begann mit der Ermahnung, wir sollten mit unserem Gottesdienst fortfahren und dabei darauf achten, mehr über die Moral als über die Dogmen zu predigen, und vor allem sollten wir dazu auffordern, der Obrigkeit zu gehorchen, der man untertan sei, und denjenigen hoch zu achten, den man zu diesem Zeitpunkt als Souverän zu betrachten habe.”

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Es gibt eine alte skandinavische Schelmengeschichte, die vermutlich auch in anderen Kulturen vorkommt. Sie erzählt von einem Bettler, der an einem Bauernhof vorbeikommt und die Magd dort um einen Topf mit kochendem Wasser bittet. Mehr brauche er nicht. In seinem Sack sein nämlich ein Stein, den man nur auskochen müsste, um eine wunderbare Suppe zu bekommen.

Die Magd ist natürlich neugierig und stellt den Kessel aufs Feuer. Der Mann holt ein Bündel aus seinem Sack, wickelt es vorsichtig aus. Tatsächlich, ein Stein. Der Bettler lässt ihn behutsam ins Wasser gleiten.

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Ich habe bereits einmal über die republikanischen Vorwahlen in den USA und insbesondere über den Kandidaten Rick Santorin gebloggt. Im Moment ist der Wahlkampf zu einem Rennen zwischen einem fundamentalistischen Katholiken – Santorin – und einem Mormonen – Mitt Romney – geworden. Das hat die öffentliche Aufmerksamkeit wieder auf die Mormonen und ihre Religion gelenkt. Wie bei der öffentlichen Aufmerksamkeit so üblich, konzentriert sie sich auf einige Schrulligkeiten, z.B. auf die inzwischen weitgehend abgelegte Polygamie und die Tatsache, dass die Gläubigen eine bestimmte Art Unterwäsche tragen.

Was mich aber daran vor allem interessiert ist die Tatsache, dass diese Religion viele heutige Christen ziemlich in die Bredouille bringt – wenn sie es denn merken würden.

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Am Ende meines letzten Posts habe ich angekündigt, einen Überblick über die vielen unterschiedlichen Positionen oder Blickwinkel zu geben, von denen aus ich hier in meinem Blog argumentiere. Ich habe damit begonnen, aber bald festgestellt, dass mir die Sache zu abstrakt geworden ist, dass sie zu wenig mit meinen eigenen Gedanken und Standpunkten zu tun hatte. Ich verschiebe deshalb das Unternehmen auf später (vielleicht auf sehr viel später). Stattdessen möchte ich ein wenig von meinen eigenen, persönlichen Gedanken sichtbar machen und beginne mit einem Text, den ich vor langer Zeit geschrieben habe.

Er behandelt die Frage: Warum nicht einfach tun, was gut und richtig ist? Wenn ich es z.B.  christlich formuliere: Warum nicht einfach z.B. nach dem Gesetz der Nächstenliebe handeln?

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Auf dem von mir gern gelesenen Blog Hinter-Gründe hat ein User den Kommentar hinterlassen:

Religionen indoktrinieren die Menschen von klein auf, Religionen sind ein Übel.

Es handelt sich hier um eine Geisteshaltung, die ich den Südkurven-Atheismus nennen würde: Einfache Freund- und Feindbilder und Schlachtgesänge mit einem leicht prolligen Touch. Trotzdem lohnt es sich oft, derartige Aussagen ernst zu nehmen.

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