Die Türe öffnen

 

Ich kann nicht garantieren, dass ihnen das Erlebnis dieses ersten Schrittes geschenkt wird, in der ersten Stunde oder zumindest der ersten Woche. Ich kann nur sagen, dass das bisher in allen Kursen bei allen Teilnehmern so war.

Der Stein

Stellen Sie sich vor, sie sitzen an einem Tisch, vor ihnen ein Stein, etwa in der Größe einer Kinderfaust. Sie haben ihn selbst in der Natur gefunden oder bei mir aus meiner Sammlung ausgesucht und werden nach kurzer Zeit ein ganz eigenes Verhältnis zu ihm bekommen.

Sie haben gerade ein paar Atemübungen gelernt. Nun legen sie den Stein auf ein Sektglas (damit funktioniert es am besten). Er scheint jetzt fast zu schweben, ist zu einem Ding geworden, das ganz für sich ist. Sie wenden ihre neue Atemtechnik auf ihn an.

Und etwas geschieht. In Ihrem Kopf.

Es wird ruhig in ihnen. Irgend etwas schweigt plötzlich. Und sie merken erst jetzt, dass da etwas war, das ununterbrochen zu ihnen redete. Das war die ständige Arbeit an ihrer Rolle, an ihrem inneren Bild von ihrem Stand in der Welt.

Denn alles, was sie sahen und erlebten, musste in dieses Bild eingepasst werden, wurde von diesem Zentrum aus gefiltert, eingeteilt und bewertet. Alles musste sortiert werden in gut, schlecht oder unwichtig. Letzteres fiel unter den Tisch, das Positive und Negative wurde in das große Bild eingebaut. Und weil positiv bedeutet „da will ich hin“ und negativ „davon muss ich weg“ steckte alles voller Aufgaben und Pflichten, hatte alles einen Anspruch auf sie.

Einfach so

Und all das ist plötzlich weg. Denn der Stein hat sie gelockt. Sie spüren, dass er nichts von ihnen will. Er hat keine Meinung zu ihnen, muss keine haben, wird keine haben. Er macht keine Versprechungen und enthält keine Drohungen, er hat nichts zu tun mit Zielen und Handlungen. Er steht außerhalb ihrer Lebensrolle, einfach so, ganz einfach und unangestrengt.

Und sie spüren, wie etwas in ihrem Inneren auf antwortet, einfach und unangestrengt. Sie lassen los und ihre Aufmerksamkeit scheint in diesen Stein zu fließen, bis sie zu ihnen beiden gehört. Es scheint, als ob der Stein eine Art von Weisheit in ihnen verbreitet, sein eigenes Wesen. Ein Bewusstsein ohne Versprechen, ohne Drohung, ohne Absicht, ohne Furcht und ohne Erwartung, einfach so.

Der Stein schenkt ihnen diesen Punkt außerhalb ihres bisherigen Lebens. Jetzt kommt es darauf an, was sie daraus machen.