Feb 092012
 

Ich habe bereits einmal über die republikanischen Vorwahlen in den USA und insbesondere über den Kandidaten Rick Santorin gebloggt. Im Moment ist der Wahlkampf zu einem Rennen zwischen einem fundamentalistischen Katholiken – Santorin – und einem Mormonen – Mitt Romney – geworden. Das hat die öffentliche Aufmerksamkeit wieder auf die Mormonen und ihre Religion gelenkt. Wie bei der öffentlichen Aufmerksamkeit so üblich, konzentriert sie sich auf einige Schrulligkeiten, z.B. auf die inzwischen weitgehend abgelegte Polygamie und die Tatsache, dass die Gläubigen eine bestimmte Art Unterwäsche tragen.

Was mich aber daran vor allem interessiert ist die Tatsache, dass diese Religion viele heutige Christen ziemlich in die Bredouille bringt – wenn sie es denn merken würden.

Ein paar Einzelheiten

Mormonen halten daran fest, dass ihrem Gründer, Joseph Smith, um etwa 1820 von einem Engel goldene Tafeln überreicht wurden, die außer ihm selbst leider niemand sehen konnte. Smith übersetzte diesen sehr speziellen Text, aus dem dann das Glaubensbekenntnis dieser Religion wurde. Die Erkenntnisse, die er aus diesen Tafeln gewann, waren in der Tat erstaunlich, mindestens ebenso erstaunlich ist allerdings die Tatsache, dass die über 15 Millionen Mitglieder an ihrer Wahrheit festhalten.

Danach lebten in Amerika vor gut 2000 Jahren hochentwickelte Völker (die Nephiten, Lamaniten, Jarediten und Mulekiten), die Städte bauten und sich gegenseitig in epischen Schlachten mit zehntausenden von Kriegern bekämpften und teilweise ausrotteten. Dass z.B. niemals irgend ein Fetzen dieses Lord-of-the-Ring-Universums ausgegraben wurde, scheint die Gläubigen dabei nicht zu stören. Und weiter geht’s: Wir waren alle mal Geistwesen, bekamen eine Therapie verpasst, damit wir uns daran nicht mehr erinnern und wurden in unsere etwas suboptimalen Körper gesteckt, um uns unter diesen schwierigen Bedingungen zu bewähren.

Gott (Vater) und Jesus haben Körper aus Fleisch und Blut (der Heilige Geist bleibt ein heiliger Geist). Sie wohnen in der Nähe des Planeten Kolob. Und so weiter, und so fort.

Na und?

Natürlich gibt es eine böse Menschen, die sich über solche Absurditäten lustig machen, einige davon Christen. Allerdings gibt es gerade für sie eine einleuchtende Antwort (die einige Mormonen, zumindest implizit, auch parat haben): Ist all das wirklich so viel abgedrehter als der christliche Glaube? Da sucht sich der allmächtige Gott, der Schöpfer des Universums, nach einigen Milliarden Jahren unter seinen vielen Galaxien eine heraus, daraus einen mittelgroßen Stern und dort einen der Planeten heraus, darauf wieder ein winziges Volk im Nahen Osten und erzählt diesen Leuten exklusiv, dass es ihn gibt und was sie tun müssen, damit er nicht böse wird.

Nach einiger Zeit fällt ihm dann auf, dass alle Menschen nach dem Tod in die Hölle kommen und um etwas dagegen zu tun, schickt er seinen Sohn … Und so weiter, und so fort.

Hauptsache Christus. Irgendwie

Und außerdem, so betonen die Mormonen, sind sie klarerweise Christen. Erstens heißt ihre Kirche „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“. Ihre Andacht und ihre Kulte kreisen um seine Person, er ist ihr Retter und Heiland, sie halten die Bibel in Ehren, ja, sie verbessern sie noch, indem sie das „Buch Mormon“ hinzufügen mit dem Untertitel „Ein weiteres Testament von Jesus Christus“ (darin wird der Besuch Jesu in Amerika nach seiner Auferstehung geschildert).

Ich finde es bezeichnend, dass es vielen Christen schwer fällt, sich hier klar, eindeutig und nachvollziehbar abzugrenzen. Die Fundamentalisten haben da natürlich kein Problem, sie zählen einfach Bibelstellen auf, die im Gegensatz zu diesem oder jenem Glaubensinhalt der Mormonen stehen. Und ebenso haben z.B. harte Katholiken kein Problem, für sie ist es höchstens der Beweis, dass es außerhalb ihrer heiligen Una Sancta nur Dunkelheit und Chaos gibt.

Es fehlt was

Ein einigermaßen aufgeklärter Christ dieser Zeit wird aber wissen, dass eben Vieles in der Bibel für den außen Stehenden absurd wirkt, dass die Texte der Bibel von durchaus gemischter Qualität sind und dass die Berufung auf Jesus tatsächlich meist als das einzige Kriterium gilt, ob jemand Christ ist oder nicht. Einige ziehen tatsächlich den Schluss daraus, dass die Mormonen Christen sind. Das allerdings ist dann der offensichtliche Bankrott des ganzen Unternehmens namens Christentum.

Und es muss nicht sein. Am 17. Februar werde ich hier auf diesem Blog eine Serie namens „Basisdiskurs Religion“ starten (vielleicht fällt mir bis dahin noch ein besserer Name ein. Klingt irgendwie nach einem Zusatzheft zum Ethikunterricht in der 10. Klasse).  Bis dahin werden meine Posts vielleicht ein bisschen dünn ausfallen …

Der nächste Post trägt den Titel „Die Steinsuppe“. Darin geht es über eine alte skandinavische Schelmengeschichte und noch etwas mehr. Wenn Sie bei seinem Erscheinen benachrichtigt werden wollen, dann holen Sie sich in der rechten Spalte den RSS-Feed oder abonnieren Sie den Newsletter.

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  3 Responses to “Jesus lebt und wohnt in der Nähe von Kolob”

  1. Stimmt. Für den Außenstehenden muß hier wie da sich alles nach Mittelerde (mindestens) anhören. Ich bleibe skeptisch, ob das änderbar ist, man also tatsächlich dem nicht gläubigen Gründe nennen kann, die zwingend zur Annahme des Glaubens führen. Daher bin ich auch auf den Basisdiskurs gespannt (ich würd sagen grad daß sich der Titel anhört wie er sich anhört kann Markenzeichenqualitäten haben – so retro-70er mäßig).
    Vielleicht habe ich aber auch das Anliegen des Kurses falsch verstanden.

  2. Zwingend zur Annahme des Glaubens kann natürlich gar nichts führen. Ich würde sagen, es geht um eine Rekonstruktion, die klar stellt, dass

    • es tatsächlich eine solche Rekonstruktion gibt (widerspruchsfrei und basierend auf einer Analyse der biblischen Texte)
    • niemand dafür irgendwelche alltagslogischen und wissenschaftlichen Wahrheiten über Bord werfen muss
    • es bestimmte Gründe gibt, diese Weltanschauung oder mentale Technik oder Religion zu übernehmen. Wie überzeugend jemand diese Gründe findet, muss jede(r) selbst entscheiden. Allerdings muss er oder sie dann auch für eine Diskussion offen sein, was diese Entscheidung betrifft.
  3. Jesus lebt und wohnt nicht in der Nähe von Kolob, sondern vielmehr ist Jesus Kolob.

    Kolob bedeutet Kalb, althochdeutsch Kalef und ist kein Planet und auch kein einzelner Stern, sondern dasselbe wie Olam, was Welt oder Universum bedeutet. Deshalb nennen die Juden ihren Gott auch mit Namen El Olam, aber nicht wissend, daß der Name gespiegelt werden muß.
    Falsch herum, wie im Hebräischen gibt es den Namen auch im Arabischen. Dort heißt das Wort, womit der Sohn Gottes, sein Name, seine Anrede gemeint ist, denn Rede ist eine FALSCHE Übersetzung: Kalām Allāh (siehe dazu https://de.wikipedia.org/wiki/Rede_Gottes).
    Der Name Kalām ist im Grunde derselbe wie El Olam, muß aber wie gesagt gespiegelt werden, d.h. rückwärts gelesen werden. Dann bedeutet der Name nämlich auch auf die Eigenschaften Gottes bezogen LIEBE und LICHT, was als Name MALO ist.

    Das Universum ist Gott und Gott ist der Erstgeborene vor allen anderen Menschen auf der Erde (siehe dazu: Offenbarung 3:14 und Offenbarung 22:13).

    Schreibt man das Wort Gott und mit einem T (= D) rückwärts, dann ergibt das den Namen “dog”, was aber nichts zu tun hat mit dem “Hunds-Stern”, nahe dem Sirius im Sternbild Stier. Dahingehend sind die Urschriften falsch übersetzt worden.

    Das Wort “dog” ist ein Anagramm und ist gleich dem slawischen Wort “bog” oder “bogh”, was in der Tat Gott bedeutet. Und Ja, Kolob, ahd. Kalef, hochdeutsch Kalb, das ist Gott, als der Erstgeborene vor allen anderen Menschen, und bei den Germanen als der Mannus bekannt und aus der Bibel als der Kain. Ihn nennt man auch den Amen oder Jesus Christus. Sein richtiger Name bei der Kreuzigung aber war Thumelicus.

    Was den „Christus“, den Stern aus der Geschichte der Kinder Israel angeht, daß war Bar Kochba. Seine Geschichte wurde mit der des germanischen Christus (Thumelicus) vermischt, heraus kam dabei das Neue Testament.

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