Jan 282016
 

In diesem Post werde ich versuchen, den Ort des Steintrainings am Rande der großen Landschaft der Religionen dieser Welt zu beschreiben. „Versuchen“ deshalb, weil der Begriff der Religion so viele unterschiedliche Lebenshaltungen und Verhaltensweisen umfasst, dass der Blick auf das einzelne spirituelle Erlebnis in den verschiedenen Glaubenssystemen fast unmöglich wird (man denke an so unterschiedliche Dinge wie die Zen-Meditation und das System von Tabus bei den Maori). Um hier weiterzukommen, konzentriere ich mich auf einen einzelnen Punkt.

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Jan 162016
 

In diesem Post verfolge ich einen Gedanken, den ich schon seit langer Zeit entwickle: Die Überzeugung, dass das, was das Steintraining die beiden Achsen des menschlichen Geistes nennt, von unseren steinzeitlichen Vorfahren herstammt. Sie entspringt aus den zwei Orientierungssystemen in jeder Jäger- und Sammlerkultur: Dem Stamm und dem Land.

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Dez 272015
 

Lange habe ich nichts mehr in meinen Blog geschrieben (sehr, sehr lange). Das hatte den einfachen Grund, dass ich ständig meine Website umgebaut habe mit jeweils neuer Aufmachung, neuer Systematik und neuen Texten. Diese Arbeit ist noch nicht fertig, ganz im Gegenteil bin ich jetzt an der endgültigen, letztgültigen Version, die wieder ziemlich anders ist als die vorangegangenen (das habe ich zwar schon öfters gedacht, aber diesmal stimmts, ganz bestimmt und objektiv wahr).

Dabei sind immer wieder ziemlich gute Texte in den Mülleimer gewandert (so was müssen meine Texte aushalten). Trotzdem gibt es immer wieder welche, um die es schade wäre. Deshalb hier eine Serie von ehemaligen Seiten, die das Ganze unter einem reizvollen Gesichtspunkt betrachten, dem von Sturmkind und Steinkind.

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Apr 172015
 

ob es eine gute Idee ist, das hier reinzustellen. Andererseits wäre es eine noch schlechtere Idee, es nicht reinzustellen.

Also gut. So rede ich mit mir selber, hier will ich hin:


Meine Hilfe ist in der unbegrenzten Erde
Meine Hilfe ist im unermesslichen Himmel
Ich stehe aufrecht: Auf der Erde, unter dem Himmel
Himmel und Erde sehen  mich an

Ich atme.

Ich atme den Stein, die Erde bis zum Horizont und weit darüber hinaus
Was da ist, ist einfach da.
Kein Urteil, keine Hoffnung, keine Furcht

Ich atme die Flammen, den Himmel tief in den wirbelnden Wolken und darüber hinaus
Was mir begegnet, wird mir begegnen, unermesslich die Möglichkeiten.
Kein Plan, keine Hoffnung, keine Furcht

Furcht fängt mich, Urteil fesselt mich, tiefe Gewohnheiten ziehen mich
ins Dunkel hinab, zwischen das, was immer schon so war und das, was nie so sein wird.
Dorthin, wo ich mit mir selbst spreche
Wo ich wiederhole, was ich mein Leben lang gelernt habe
Wo alles schwer ist, gefärbt und gerichtet, mich schubst und zieht und blendet.

Ich schmiege mich in dieses kalte Grab
ich lecke die verblassten Farben des Lebens von den Wänden
der Käfig: vertraut, die Peitsche des Dompteurs: vertraut
und dieses abgekrabbelte Podest, auf das ich klettere: vertraut
Freude? Nicht wirklich. Hoffnung? Nicht wirklich.
Aber was gibt es sonst?

Atem. Himmel. Erde. Gibt es das?
Gibt es das: Ich tanze darüber wie ein Kork auf dem Wasser?
Gibt es das: Mein anderes Leben?
Atem. Himmel. Erde.
Für einen Augenblick, eine Stunde, einen Tag.

So einfach.
Eigentlich.

 

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Apr 172015
 

Sehr lange habe ich hier nichts mehr geschrieben. Und auch das hier hätte ich fast nicht veröffentlicht: Irgendwie zu wenig ausgereift.

Und dann: Bei mir befindet sich alles in Bewegung. Was soll ich den Leuten sagen, wenn ich selbst nicht weiß, wohin das alles geht? Wie sicher, wie erprobt das ist, was ich jetzt zu sehen und zu erkennen glaube?

Ich versuche es. Also,  worum geht es?

Die Ausgangslage

Vor gut zwei Jahren bin ich eines Morgens aufgewacht und wusste: Ich will nicht mehr. Ich kann nicht mehr.

Ich hatte mich, zusammen mit anderen, als Web-Programmierer selbstständig gemacht und es war seitdem nur noch darum gegangen, wie man jeden winzigen Pixel auf dem Bildschirm zu dem einen Zweck nutzt: Den Besucher der Website zu fesseln und zum KAUF zu bewegen. KAUF, verstehst du? GELD, verstehst du? Alles ganz lustig, aber wo ist der LANDING STRIP zum CALL OF ACTION, und ACTION heißt KAUF und Kauf heißt GELD. Wie messe ich, welche Variation der Farbe eines Buttons Mittvierzigerinnen aus Düsseldorf zum KAUFEN bringt? Wie optimiere ich jeden Mikropixel auf jedem Gerät vom 42-Zoll-Bildschirm zum Mini-Smartphone so, dass … ach vergiß alles andere, merk‘ Dir nur das eine:

Geld! Kohle! Kies! Moneten! Euro! Dollars! Das Lebensblut des Weltalls! Der Maßstab für ALLES! Megakonzerne! Exportweltmeister! Wechselkurs!

Startups! Wieso können wir verschnarchten Europäer keine 1,5 Millionen einsammeln für eine Smartphone-App, die einfach nur „Yo“ sagt? Wie können wir da mithalten in einer Welt, in der die Häuser aus Geld sind, die Kleider aus Geld sind, das Essen aus Geld ist und, vor allem, Geld das Schicksal des Menschen ist und deshalb Wert und Würde des Menschen aus Geld bestehen?

Übertrieben? Nö. Gar nicht. Bildest du dir ein, du würdest geachtet, weil du dich irgendwie gemeinnützig betätigst oder alle Goethe-Balladen zitieren kannst oder im Kirchenchor mitsingst? Freunde, das hatte ich auch mal geglaubt. Aber das sind alles nur Sahnehäubchen auf dem einzigen Gebräu, das Leben spendet:

Geld.

Warum?

Wofür steht hier Geld? Sicherlich braucht man es in unseren Zeiten und Breiten für seinen Lebensunterhalt und darüber hinaus für die eine oder andere Annehmlichkeit. Aber weit darüber hinaus steht es für gesellschaftliche Anerkennung. Was nichts kostet, ist nichts wert, wer nichts leistet, was Geld einbringt, ist nichts wert, wenn ich kein Geld mehr „verdiene“, bin ich nichts wert.

Wie kann es aber sein, dass ich meinen Wert verliere, wenn mich diese rasende Monetarisierung auch noch der kleinsten Ecken des Lebens so anwidert, dass ich nicht mehr mitmachen kann? Beweist das nicht, dass ich auch noch ganz andere, höhere Maßstäbe in mir trage, nach denen mich diese Entscheidung zu einem besseren Menschen macht, als ich zuvor war? Vielleicht, aber wo sind sie denn, diese Maßstäbe? Oder, wenn ich sie benennen kann, warum helfen sie mir nicht? Warum erfüllen sie mich nicht mit Stolz und Selbstbewusstsein, warum sind der Wert und die Würde nicht recht greifbar, die sie mir verleihen sollten? Warum musste ich mich zum Beispiel jedes Mal bewußt wappnen, wenn ich die Frage auf mich zukommen sah: „Und du? Was machst du?“

Das Fundament

Wert, das bedeutet gut oder weniger gut. Würde, der aufrechte Gang, das bedeutet, dass ich mich selbst auf eine tiefe und wichtige Art als gut annehmen kann. Es gab doch so viel in mir und an mir, das ich guten Gewissens als gut bezeichnen kann, warum griff das alles nicht?

So hoch ich das Gebäude meines Selbstbewusstseins zu bauen versuchte, es schien nie auf festem Grund zu stehen, es schien immer irgendwie in den Wolken zu schweben und verdunstete, wenn es sich im Alltag bewähren sollte. In diesem Alltag galten immer noch die Regeln und die Maßstäbe der Gesellschaft und immer noch bestimmten sie zum großen Teil mein Bild von mir selbst und meinem Wert.

Wo war das Fundament, auf dem ich bauen konnte? Und, wenn es noch keines gab, konnte ich es ins Leben rufen, in mein Leben rufen? Eine vernünftige Antwort war nur möglich, wenn ich zunächst den Baugrund untersuchte, auf dem ich immer gescheitert war, mein Leben selbst.

Schicksal und Gesellschaft

Theoretisch wusste ich es ja schon immer: Unser Leben, mein Leben, ist inzwischen fast völlig von der Gesellschaft bestimmt, von ihren Produkten und Dienstleistungen. Unsere Welt, die ganze Welt, in der wir leben, ist immer mehr zu einer technischen und wirt­schaftlichen Konstruktion geworden, eine künstliche Behausung, für manche ein Hotel, für andere ein Gefängnis. Wenn „Schicksal“ der Name für die tiefsten Parameter dieses Lebens ist, für sein Woher und Wohin, dann kann auch mein Schicksal davon nicht unberührt bleiben. Wenn es gar kein Leben mehr unabhängig von der Gesellschaft gibt, dann muss sich auch mein Schicksal in ihren Grenzen und nach ihren Regeln vollziehen. Und woher soll dann mein Wert und meine Würde kommen, wenn die Gesellschaft dazu einfach Nein sagt?

Natürlich gibt es alternative Entwürfe, Leute, die nach ihren eigenen Regeln leben oder zu leben versuchen. Aber auch dort steht eine Gesellschaft im Hintergrund, meist eine gedachte zukünftige, deren Verheißung bereits jetzt sichtbar sein soll. Ich selbst habe zwei Wellen einer solchen imaginären gesellschaftlichen Zukunft erlebt, die einer sozialistischen und die einer radikal umweltbewussten Lebensweise.

Dass ich solche Entwürfe nicht mehr als Quelle eines eigenen, neuen Schicksals und Wertes annehmen kann, kommt aber weniger aus meinem Unglauben an eine solche schöne Zukunft. Viel mehr ist es die Tatsache, dass ein solches Leben mindestens ebenso fremdbestimmt aussieht wie mein jetziges. Wert und Unwert hängen darin ab von der Befolgung eines Tugendkanons und der Vorschriften seiner selbsternannten Wächter. Mein eigenes Schicksal und demzufolge meinen eigenen Wert werde ich dort nicht finden.

Gott nicht mehr

Es war einmal möglich, dieses eigene Schicksal, diesen eigenen Wert zu denken und zu erfahren, in dem Stehen jedes einzelnen Menschen vor Gott. Genug davon, weil die Vokabel „Gott“ in jedem Teilnehmer des westlichen Kulturkreises eine Lawine von Assoziationen auslöst, die ein klares und gerades Denken und Reden unmöglich macht. Genug davon, bis eben auf dieses eine: Jeder einzelne Mensch stand für sich vor Gott, auf den letzten Punkt gebracht beim Jüngsten Gericht, dem dies irae, dem Tag des Zorns. Dort wurden er und seine Taten auf einer ewigen Waage gewogen und bewertet und kein Kaiser und kein Papst konnte hier Einfluss nehmen (die Darstellungen des Jüngsten Gerichts in alten Kirchen sind voll von Königen, Bischöfen und Päpsten, die in den Rachen der Hölle steigen müssen).

Wer mich kennt, weiss, dass ich seit Jahrzehnten versucht habe, diese wertvolle geistige Ressource in unsere heutige Zeit zu übersetzen, Licht zu bringen in das Durcheinander von Dogmen und Vorurteilen, die hier miteinander und gegeneinander herrschen. Aber der Sturm vorgefasster Meinungen und Gefühle bläst hier jede Laterne nach ein paar Schritten aus, übrig bleibt das Dunkel, in dem Anhänger und Gegner durcheinander tappen und Lobpreisungen und Verwünschungen in die wirre Finsternis schreien.

Ein neuer Weg

Sicher hätte ich es lassen können. Mir war der Gedanke Gottes einfach und nährend wie ein Stück Brot und wenn andere nicht davon essen wollten oder konnten, war es eben so, aber gewiß kein Grund, darauf zu verzichten.

Ganz verstehe ich es selbst nicht, warum ich mich damit nicht zufrieden geben konnte. Sicher wollte ich meine jahrzehntelange Arbeit nicht einfach wegwerfen, vielleicht erhoffe ich mir auch immer noch, damit irgendwann einmal einen Lebensunterhalt verdienen zu können. Vor allem aber schien es mir, als hätte ich, ganz für mich, ein Geschenk erhalten, das ich auf irgend einem Weg auch mit anderen teilen sollte, das Geschenk, all das nicht nur glauben zu müssen, sondern auch verstehen und ins alltägliche Leben übersetzen zu können.

Und so begann ich damit, Teile aus dem Ganzen herauszubrechen, wobei ich sorgfältig den zentralen Begriff „Gott“ vermied, und diese Teile zu etwas Neuem zusammen zu fügen, der C.A.P.-Methode.

Sehen und Handeln

So gut ich auch vorankam dabei und so gut es auch für die Teilnehmer meiner Kurse klappte, es fehlte mir ein entscheidendes Element. Ich konnte den Leuten zeigen, wie man innehält, sich aus den Denkschablonen der Umgebung ausklinkt und eine innere Insel der Ruhe schafft. Um sich aber wieder in Bewegung zu setzen, um zu handeln in dieser Welt, wie sie nun einmal ist, mussten sie diese Insel wieder verlassen, sich wieder einklinken in die Denk- und Handlungsmuster dieser Welt. Wie all das verlängern ins Handeln hinein? Wie aus Caliban, Ariel und Prospero, wie aus Stein, Atem und Feuer etwas schmieden, das in mir lebt und lebendig bleibt, wenn ich die Wege gehe, die Knöpfe drücke und die Hebel ziehe, aus denen diese Welt besteht?

Ich habe die Lösung jedoch in der falschen Richtung gesucht. Ich suchte nach einem kleinen Kern, so still, klein und steinern, dass er sozusagen durch alle Maschen und Filter passieren würde. Als sich mir die Lösung aber entgegenkam, kam sie aus genau der entgegengesetzten Richtung.

Dies irae

Der entscheidende Übersprung geschah am Abend dieses Karfreitags, in einer Aufführung des Requiems von Verdi, als mir von 120 Sängern sein dies irae entgegenraste. Plötzlich waren das meine Gefühle, meine Erkenntnis meines eigenen Lebens: Das tiefe Gefühl all dessen, was Tag für Tag in meinem Leben falsch läuft, was an und in all dem Falschen meine eigenen Handlungen sind und welche Einflüsse und Zwänge mich dazu gebracht haben. Und ein tiefer, maßloser Zorn über das alles, über all das verlorene Leben.

Dies irae, der Tag des Zornes, der Tag des Gerichts ist heute, immer heute. Und die Hölle, das ist gestern, der endgültige und unwiederbringliche Verlust der vielen hundert Minuten, die, jede für sich einmalig, an mir vorüberzogen und die ich dieser Welt zum Fraß vorgeworfen habe als ihr gehorsamer Roboter, programmiert durch ihre lächerlichen Rituale, Gebote und Verbote, Drohungen und Verheißungen. Und vorgestern und vorvorgestern und so immer weiter, nirgends das gerade Leben, überall das verbogene, freiwillig versklavte.

Dies irae.

Zorn

Was aber bringt mir das, außer einer fruchtlosen und ermüdenden Selbstzerfleischung? Nun, genauso gut könnte ich fragen, was es mir bringt, wenn ich erkenne, dass ich seit meiner Kindheit an einer chronischen Krankheit leide. Auch das kann deprimierend sein, viel wichtiger erscheint mir aber der Flash, die blitzartige Erkenntnis: Das ist es also!

Deshalb fühle ich mich oft so müde, deshalb bin ich in der Schule beim Turnen nie mitgekommen! Und nein, es ist nicht Willensschwäche, weshalb ich mit dem Joggen aufgehört habe und nicht meine Spießigkeit, wenn ich beim Feiern immer spätestens um Mitternacht zuhause sein muss und sowieso keinen Alkohol vertrage!

Und hinzu kann ein kräftiger, gesunder Zorn kommen. Zorn auf all die Turn-, Ski- und sonstigen Sportlehrer, die mich immer vor versammelter Mannschaft lächerlich gemacht haben, Zorn auf die Ex und ihren ganzen superfitten Freundeskreis, die mir immer das Gefühl vermittelt haben, ein willenschwacher Mensch zweiter Klasse zu sein. Zorn auf die Ärzte, die jahrzehntelang alle möglichen Untersuchungen angestellt und mich als hysterischen Hypochonder eingestuft haben, ohne auf diese eine einfache Diagnose zu kommen. Und Zorn auf die verlorenen Jahre, die ich so ganz anders gelebt hätte, wenn ich das gewusst hätte, was ich heute weiß.

Wie tragfähig ist dieser Zorn? Ist er ein echter Schritt zu einem neuen Bewusstsein? Ich weiß es nicht.

Aber für heute soll es genug sein.

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